Yacht-Club Bayer Leverkusen e.V.
Der graue Wolf und die vier Geißlein
Hans konnte sich nichts Schöneres vorstellen, als einmal nur mit Frauen zu segeln.
„Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami!“ Und: Wie verteilt man vier Kabinen unter vier Frauen und einem Mann gerecht? Nun, wir haben das Problem für Alle zufriedenstellend gelöst.
Samstag, 11. Juni 2011
Es geht los!
Um 4:00 Uhr in der früh stand Shuttle „Anja“ bei Christine vor der Tür und ab ging es zum Flughafen. Das frühe Aufstehen war an diesem Tag kein Problem, da wir ja einen wunderschönen Segelurlaub vor uns hatten. Ankunft am Flughafen Athen ca. 10 Uhr griechischer Zeit. Ein Großraumtaxi (120€!) brachte uns zur Olympic Marina nach Lavrion. Großangelegte Suche nach unserer Therban. Ab nun volles Programm: Taschen auspacken, Anette und Edel fuhren mit dem Taxi einkaufen, der Rest organisierte Liegeplatz und Taucher. Dann wurde mit einigen Problemen der Propeller getauscht, der
allerdings nicht auf Anhieb passte. Gut, dass der Taucher so zuvorkommend war. Da Anette und Edel so viel eingekauft hatten, bot der Supermarkt spontan den Rücktransport an und besorgte auch noch 2 neue Gasflaschen. Anschließend Leinen werfen üben zum Aufwärmen. Edel hatte von zu Hause noch einen leckeren Kuchen mitgebracht, was für einen Service. Abends fuhren wir dann mit 5 Mann/Frau nach Lavrion zum Essen, Merke an dieser Stelle: Die Dickste darf vorne sitzen!
Das Motto unserer Abendessen lautete: Nie in der ersten Reihe, zu teuer und nicht so gut. Wir fanden ein nettes Einheimischenlokal mitten im Ort und haben sehr gut und preiswert gegessen. In der ganzen Woche lag der Preis pro Person, inkl. Getränke nie über 15€.
Sonntag, 12. Juni 2011
All hands on deck!
Leinen los, Anker hoch und ab ging es Richtung Poros. Eine gute Stunde nach Abfahrt sahen wir ein Gewitter über Poros und überlegten spontan weiter nach Hydra zu fahren. Eine weitere halbe Stunde später kam uns ein Gewitter auch von Hydra entgegen. Was nun, Skipper? „Fahr mal eine halbe Stunde in eine andere Richtung“ nützte auch nichts. Die Gewitter hatten uns eingekesselt und wir saßen mitten drin. Also ausharren. Unsere Gedanken: Was passiert eigentlich, wenn der Blitz in den Mast einschlägt? Die Antwort von Hans gefiel uns gar nicht und wir redeten nicht weiter darüber. Sie ist mir an
dieser Stelle auch spontan entfallen. Also saßen wir im Ölzeug (nur die Weicheier unter uns!) mitten im Sommer in Griechenland unter dem Bimini und versuchten nichts Metallisches anzufassen und harrten der Dinge, die da kommen oder gehen. Hydra war irgendwann in Sicht. Laut Hafenhandbuch ein recht kleiner Hafen und im Sommer recht voll. Christine erzählte uns in diesem Zusammenhang, dass sie es schon mal erlebt habe, dass in einem Hafen 3er Päckchen vor Buganker gelegen hätten. Ja, sehr witzig, die Vorstellung. Als wir kurz vor der Hafeneinfahrt waren, sahen wir durch das Fernglas. Oh Hans, da sind aber viele Masten zu sehen… 3er Päckchen vor Buganker. Das Heck wurde an den Bugklampen zwischen 2 Schiffen festgemacht. Wir lagen mitten im Hafenbecken.
Mein spontaner Einfall, wir lassen morgen alle um uns herum wegfahren und machen dann ein Foto für den folgenden Damentörn, nach dem Motto: Die Damencrew hatte einen super Ankerplatz gefunden :-). So nun lagen wir also mitten im Hafenbecken und hatten Hunger. Was nun, Hans? Dinghi ging nicht, da wir nicht ans Heck rankamen und vorne wäre der Überstieg doch recht abenteuerlich geworden. Wir beobachteten also die anderen Crews. Nach und nach kamen Wassertaxen und holten die Leute von ihren Schiffen. Okay, wir also geschniegelt und gestriegelt aufs Vorschiff, keiner kam! Ein Kollege vom
Nachbarboot rief uns einen VHF-Kanal zu. Dann kam ein Boot von einem Luxusdampfer vor der Hafeneinfahrt vorbei und da wir so viele nette Frauen waren, brachte er uns rüber. Hydra ist sehr schön und ein Besuch lohnt sich.
Wir fanden wieder eine sehr nette Taverne oben auf einem Berg und wieder nur Einheimische und nicht so laut wie unten im Hafen. Wir ernährten uns fast die ganze Woche von Saganaki, Fisch, Octopus, Shrimps, Greek Salad und Tzaziki und einigen Kilo Wein. (Wird in GR nicht in Liter, sondern in Kilo verkauft :) Lecker, lecker, lecker. Dass wir fast jeden Abend das Gleiche aßen, war völlig egal. Rückfahrt diesmal mit dem Taxi. 2 Minuten übersetzen, 10€! Dafür keine Hafengebühr.
Montag, 13. Juni 2011
Guten Morgen Sonnenschein!

Morgendliches Wecken zum Leidwesen von Hans, mit „Guten Morgen Sonnenschein“ von Nana Mouskouri.
Nun wollten wir aber dann doch nach Poros. Das Wetter war super, und wir beschlossen aufgrund der kurzen Entfernung erst noch zur Nachbarinsel Dhokos zu fahren, weil da so schöne Ankerbuchten sein sollten. Die Buchten waren wirklich traumhaft und wir nutzten unseren Aufenthalt zu einem ausgiebigen Bad. Dann weiter nach Poros. Dieser Ort, bzw. seine Kulisse bei der Einfahrt ist ganz entzückend. (Dies Beschreibung geht nur, wenn viele Frauen an Bord sind)
Anlegen am Schwimmsteg klappte super. Dann langes Suchen nach dem Hafenbüro, was sich etwas schwieriger gestaltete. Man muss durch einen Torbogen und eine kleine Markthalle durch, auf der anderen Seite dann links durch eine Tür in die erste Etage und dann um einige Ecken rum. Alle Beschreibungen auf Griechisch…Hafengebühr 11,09€. Die Mädels, Anette und Edel sind anschließend noch in der Gegend rum gelaufen, um eine schöne Taverne zu finden. Abends wir dann hinterher, vom Schwimmsteg geradeaus durch eine Gasse den Berg rauf. Eine Taverne unter einer riesigen Platane. Babyschweine hingen im Grill, Service war super. Am Ende sagten wir dann Nikos unserem Kellner: „Wir kommen nächste Woche wieder“ weil es so schön war… Auf dem Rückweg abwärts war der Berg noch etwas steiler, so dass wir uns zu zweit festhalten mussten.
Dienstag, 14. Juni 2011
Vathi wir kommen!
Diesen kleinen Hafen, zu dem nur wenige Schiffe kommen, haben wir als Geheimtipp im Hafenhandbuch gefunden. Unterwegs dorthin sah Edel Rückenflossen und wir dachten schon, endlich Delphine. Aber da sie nicht raus sprangen nahmen wir an, dass es sich um Wale handeln müsse, die eine Crew vor uns auch schon im Logbuch vermerkt hatte. Kurz vor Vathi sagte Hans dann zu mir, so Anja, nun bist Du dran mit Anlegen… Die Skizze im Hafenhandbuch war nicht verlockend und als wir im Hafen ankamen, sagte ich zu Hans: „Ach, ich schau mir das lieber noch mal an.“
Der Hafen ist winzig. Maximal 10 Dickschiffe passen hier rein, aber traumhaft. Man kann direkt im Hafenbecken ins Wasser springen, so sauber und klar ist es. Ein ganz kleiner Ort, eine 2. Reihe an Tavernen braucht man nicht zu suchen und eine Ruhe. Toll, toll, toll! Wir suchten uns die 3. Taverne von der
Hafeneinfahrt aus gesehen aus. Gelbkarierte Tischdecken, das Lokal selbst liegt um die Ecke, aber die Tische stehen direkt am Kai. Die Besitzerin heißt Zula und hat einen kleinen Sohn Adone! Wir schlossen sie direkt ins Herz. Sie brachte erst mal 3 Krüge Wein: Rosé, Weiß und Rot. Geht aufs Haus zum Probieren. Dann führte sie uns in die Küche, um uns den Fisch auszusuchen zu lassen. Das Essen war vorzüglich. Am Ende sagte sie uns noch, dass wir bei ihr duschen könnten. Alles war sehr sauber und liebevoll dekoriert. Wir baten sie, uns noch eine Flasche Wein abzufüllen, fürs Boot. Sie kam mit 3 Flaschen zurück, geht aufs Haus. Ich glaube wir haben 82€ an diesem Abend bezahlt. Leichtsinnigerweise rundeten wir auf 100€ auf. Wir haben nun eine Freundin fürs Leben.
Mittwoch, 15. Juni 2011
Vathi, was für ein Stress!
Morgens gingen wir bei Zula frühstücken: Rührei, Kaffee, frisch gepressten Orangensaft. Dann saßen wir gefühlte 2-3 Stunden am Tisch, schwiegen uns an und schauten aufs Meer hinaus. Hin und wieder kam ein: „Was für ein Stress!“ Um 13 Uhr beschlossen wir dann doch, dass wir mal auslaufen. Wir waren die Ersten! Ab jetzt gab es kein Pardon, ich war ab sofort für die An- und Ablegemanöver zuständig.
Wir fuhren nun am Festland vorbei Richtung Norden nach Nea Ephidavros. Auch ein sehr kleiner Hafen. Ich nun am Steuer und rein in den Hafen. Das Echolot zeigte noch einen Meter unterm Kiel an. Dann, 0,5, 0,4 und schließlich 0,3m. „Hans, nun ist
aber genug, können wir jetzt wieder raus fahren?“ Gott sei dank, lagen am einzigen Hafenplatz die Mooringbojen so ungünstig im Weg, dass dieser Platz nicht in Frage kam. Ein netter Mann am Kai zeigte uns, dass wir an der Außenmole längsseits gehen könnten, es wäre tief genug. Anlegemanöver gut gelungen, weit und breit keine anderen Gastlieger zu sehen. Nea Ephidavros ist ein kleiner Ort mit einigen Strandtavernen und sonst nichts. Der nette Helfer am Kai stellte sich als Theo, der Taxifahrer heraus, der 17 Jahre in Deutschland
aufgewachsen war und fließend Deutsch sprach. Er bot uns an, für 60 € bringt er uns zum 30 km entfernten Amphitheater und holt uns auch wieder ab. Wir also uns erstmal etwas frisch gemacht und ab ins Amphitheater. Kultur kann ja auch nicht schaden. Dann wieder zurück zum Schiff. Theo hat uns unterwegs viel erzählt, über Griechenland allgemein, über sich und über den Ort. Für Abends empfahl er uns die erste Taverne am Strand, dass seien Freunde von ihm. Das Essen war hier am teuersten und wir bezahlten knapp 120€, inkl. Wein für den Bordkühlschrank. Dafür konnten wir aber ins Internet, Wetter gucken. Theo kam später auch noch dazu.
Donnerstag, 16. Juni 2011
Letzter Stopp!
Morgens fuhren wir Richtung Aegina, um uns langsam Richtung Athen zu bewegen, zwecks Übernahme der Damencrew. Das Hafenhandbuch sagt, Donnerstag und Montag ist der Hafen recht voll wegen der Übergabe der Charterfirmen und am Wochenende von den Griechen. Und so war es auch. Wir fanden noch einen Platz an der äußersten Ecke an der Hafeneinfahrt. Gegenüber legten die Tragflügelboote von Athen an und wir wurden vom Schwell ganz schön durchgeschüttelt. Dafür hatten wir sehr schönes Hafenkino.
Einmal kam ein Schiff mit einem Skipper und 6 Damen vorbei. Christine rief: „Schau mal Hans, der hat nicht nur Montag bis Donnerstag, sondern auch noch Freitag und Samstag.“
Am frühen Abend kam dann ein tiefliegender Tanker, die Deckshand schimpfte ziemlich, weil wir seinen Haltering blockierten. Wir nahmen es aber gelassen. Er legt dann seinen Festmacher unter unsere Gangway und wir zogen diese vorsichtshalber etwas höher. Dann suchten wir uns eine Taverne in 2. oder 3. Reihe. Der Ort ist nicht so schön, es ist laut, alles voller Charterboote und die Tavernen wurden belagert, um dort zu essen. Die Taverne, die wir fanden, war etwas versteckt und sehr schön in einem Hinterhof gelegen. Das Essen war allerdings diesmal nicht so umwerfend. Wir also früh zurück zum Schiff. Nun hatten wir schon etwas Mühe aufs Schiff zu kommen, da der Tanker seine Ladung löschte. Unsere Gangway war schon aus der Verankerung gerutscht. Als wir in unsere Kojen gingen, haben wir die Gangway dann ganz senkrecht gestellt.
Freitag, 17. Juni 2011
Der Abschied naht!
Anette wurde morgens wach und wurde vom Winken eines Crewmitgliedes des Tankers begrüßt. Der Tanker war nun komplett leer und ragt lt. Aufschrift 52 Fuß in die Höhe. Wir kamen auf jeden Fall nicht mehr von unserem Schiff. Der Tanker verließ aber um 08 Uhr den Hafen, so dass der Morgen gerettet war. Nun mussten wir also langsam zu einem Übergabehafen Richtung Athen.
Peter hatte uns Kalamaki empfohlen. (Laut Hafenhandbuch ist es am Wochenende wegen einer Disco so laut, dass die GFK Haut des Bootes vibriert!) Wir also rüber. Der Hafen war riesig und es gab einige leere Boxen. Aber bei allen hieß es, belegt. Wir den Hafenmeister über Funk angerufen. „Therban, what´s your problem?“ Wir möchten gerne einen Liegeplatz. „It´s impossible today!“ Punkt. Kommunikation erledigt. Über Funk bekamen wir dann bei einem anderen Schiff mit, sie sollten es in Phaliron etwas weiter nördlich versuchen. Wir wollten also raus und hingen prompt in einer Ankerleine. Gut, dass Hans am Steuer stand. Kurz überlegt, rückwärts und frei war der Kiel.
So einfach kann das also sein. Unterwegs haben wir Kontakt mit dem Hafen in Phaliron aufgenommen. Die Frau war sehr nett und teilte uns auch den Preis direkt mit, damit wir es uns überlegen konnten. 41 € je Übernachtung, allerdings wird der Anreisetag mit berechnet. Als wir im Vorhafen ankamen, kam uns ein Motorboot entgegen und wies uns einen Platz zu. Hier lagen nur dicke Motoryachten, eine größer als die andere und natürlich auch teurer. Viele, viele freie Plätze, nichts los. Der Service war einfach umwerfend. Auch im Hafenbüro überschlug man sich vor Freundlichkeit. Diesmal durfte ich mich das erste Mal als Skipper eintragen. Zur Begrüßung gab es einen Präsentkorb, ja wirklich. Inhalt: Ouzo, Metaxa, 2 Bier, Oliven, Knabbergebäck und ein kleiner Trockenblumenstrauß. Hans konnte es nicht glauben. So etwas war ihm als alten Segelhasen ja noch nie passiert. Ich tröstete ihn und meinte, das liegt am weiblichen Skipper.
Abends suchten wir dann ziemlich lange nach dem Schnellbus für Hans zum Flughafen: X 96, kostet 5 € und fährt 55 Minuten. Die 2. Reihe gestaltete sich etwas schwierig. Großstadt, überall Verkehr und Skipper sowie Co-Skipper haben starken Hunger! Wir saßen dann mitten drin. Nett ist anders, aber alle wurden satt.
Samstag, 18. Juni 2011
Bye, bye my love!

Nun mussten wir Abschied nehmen von unserem Skipper Hans, der mit hängenden Schultern das Schiff verließ. Wir wissen nicht, ob er eventuell froh war, dass er ab sofort keine Musik (Max Raabe, Sechziger Jahre Schlagermusik) mehr hören musste. Ich war auf jeden Fall unendlich dankbar für sein gutes Skippertraining, bei dem ich wieder eine Menge dazu gelernt habe. Und Hans zu Deiner Info: Am Samstag war keine Musik an!!!
Anmerkung des Skippers: Bei so viel lecker Mädchen an Bord kann man die Musik gut ertragen.





