For Girls only

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Dieser Törnbericht ist Hans gewidmet, ohne dessen gutes Skippertraining der diesjährige Damentörn in Griechenland nicht möglich gewesen wäre.

Samstag, 18. Juni 2011

Mit hängenden Schultern hat Hans uns verlassen, 4 Stunden später kamen die beiden restlichen Frauen und machten unsere Damencrew komplett. Erstmal eine umfangreiche Sicherheitsunterweisung: Anpassen der Schwimmweste, Signalmittel, wichtigste Sicherheits-Funktionen an Bord erklären. Dann wurden die Fußnägel lackiert: rot für Backbord, grün für Steuerbord!

 

Okay, eine kleine Nachunterweisung war nötig…

Als Nächstes: Einweisung in die Bordsprache: Jawohl, mein Skipper! Danke, mein Skipper! Man muss seine Mannschaft schon im Griff haben.

Die Mannschaft, das waren: Edel, Christine, Susanne, Annette und ich, Skipperin Anja.

Abends gingen wir dann in den Nachbarhafen eine nette Taverne in der 2. Reihe suchen. Und ein Prost auf den Beginn einer tollen Woche!

 

Sonntag, 19. Juni 2011, Oh Donna Klara!

10:00 Uhr ablegen ab Phaliron. Ab nach Poros! Um 16:30 Uhr dachten wir schon, wir sind so spät dran, dass könnte ganz schön anstrengend werden

mit dem Anlegemanöver. Aber Gott sei dank, erst 3 Boote am Steg. Erstes Anlegemanöver ohne Hans hat fast hervorragend geklappt. Anschließend haben wir gemeinsam bis 18:30 Uhr Hafenkino geschaut. Sehr schön! Dann ab in das klimatisierte Hafenbüro, leider durften wir nicht bis abends bleiben. Zum Essen gingen wir selbstverständlich in unsere Lieblingstaverne „Unter den Platanen“. Nikos, unser Kellner von letzter Woche, breitete seine Arme aus und freute sich uns zu sehen. Das Essen war köstlich. Zum Abschied gab es noch ein Foto mit Nikos. Dass er darauf noch sein grünes T-Shirt trägt, lag daran, dass Christine die griechische Übersetzung für: mach Dich nackig, nicht kannte. Natürlich nahmen wir auch wieder eine 1,5 Kilo schwere Flasche Weißwein mit, gesponsert von Nikos. Wir wunderten uns am nächsten Morgen darüber, warum diese leer war. Hatte es etwas mit dem Franzosen zu tun, der uns nachts noch gebeten hatte, etwas leiser zu sein?

Montag, 20. Juni 2011 Wenn Du mal in Hawaii bist!

Was für ein Stress, um 10:00Uhr ablegen in Poros um noch einen Platz in unserem Lieblingshafen Vathi zu ergattern. Ankunft dann in Vathi um 13:30Uhr, nur ein Segler dort, tolles Anlegemanöver. Da es so heiß war, wurde das Vorschiff mit Tüchern abgehängt, es sah aus wie bei einem Haremstörn. Als Skipper hat man natürlich die Verantwortung, seine Crew bei Laune zu halten, also rief ich: So, Mädels, Badeanzug an und ab ins Wasser. Sie antworteten alle aus einem Mund: „Danke, mein Skipper!“ Gelächter vom Nachbarboot, es waren Deutsche!

Anschließend kalten Frappé und kleiner Imbiss in unserer Taverne von letzter Woche. Zula freute sich uns zu sehen. Die Mädels waren begeistert. Den ganzen Nachmittag aalten wir uns auf dem Vorschiff, Siesta und gemeinsam Sirtaki zu „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens. Bei Bob Marley fragten wir die Nachbar-Crew, ob wir zu laut wären. Nein, die Musik könnte ruhig noch lauter sein. Ein Engländer ging an unserem Boot vorbei und wippte zum Takt.

Abends essen bei Zula, bis dahin lief alles gut. Dann sagte Eine: „Das ist aber eine große Spinne!“ Wir schauten unter den Tisch und sahen sie, sprangen auf und quiekten laut. Christine ergriff todesmutig ihren Stuhl und versuchte die Spinne mit den Stuhlbeinen zu erwischen, diese war aber schneller. Es kam ein kleiner Tumult im Hafen auf. Die Kellner aus dem Nachbar-Restaurant fingen auch an ihre Stühle hoch zu heben. (Sie dachten sehr wahrscheinlich, eine Schlange wäre unterwegs.) Die anderen Gäste dachten sich sehr wahrscheinlich ihren Teil! Wir hatten auf jeden Fall Tränen in den Augen vor Lachen und die Geschichte lieferte uns die ganze Woche noch sehr viel Spaß.

Dienstag, 21. Juni 2011 Just a Gigolo!

Geplant hatten wir Korfos. Wir wollten ja auch mal andere Orte sehen, als in der ersten Woche. Auf dem Weg dorthin kamen wir an Nea Epidhavros vorbei und wollten einen kleinen Badestopp einlegen. Da aber unser Anleger noch frei war, entschieden wir uns spontan hier zu bleiben. Am Steg ging ein Segler vorbei zu seinem Boot. Eigentlich hätte er uns ja helfen können, aber er tat so, als wären wir Luft. Das der bei uns unten durch war, versteht sich wohl von selbst. Mit guter Seemannschaft hat das ja nichts zu tun. Im Laufe der nächsten Stunde wurde uns allerdings klar, warum er uns nicht geholfen hatte. Er war Flottillenführer und wartete noch auf 13 weitere Boote und wir nahmen nun einen seiner besten Liegeplätze ein. Tja, das Leben ist hart. Abends riefen wir Theo, den Taxifahrer von letzter Woche an und baten ihn, ob er uns in ein nettes Lokal fahren könnte und ob wir denn mit 6 Frauen auch in sein Taxi passen würden. Natürlich, 2 Frauen vorne und 4 hinten. Klappt!

Es war ein netter Abend, Theo hatte sichtlich Spaß mit 6 Weibern hupend durch seinen Heimatort zu fahren. Außerdem verriet er uns dann auch das griechische Wort für nackig. Das hatte uns ja keine Ruhe gelassen.

Mittwoch, 22. Juni 2011 Abends wenn die Lichter glühen!

Wir machten uns auf den Weg Richtung Perdika im Süden von Aegina. Unterwegs wollten wir noch in einer kleinen Bucht ankern. Die Bucht war sehr schön, allerdings war es sehr windig und einige Boote hatten Probleme mit ihrem Anker. Also beschlossen wir lieber doch direkt nach Perdika zu fahren und uns einen guten Hafenplatz zu sichern. Es waren erst sehr wenige Boote dort. Ein deutsches Schiff lag schon am Steg und wir machten uns dran uns neben ihn zu legen. Beim ersten Versuch wackelte seine Kette, also neues Manöver Anker wieder hoch und ganz ruhig noch mal von vorne. Das zweite Manöver klappte dann auf Anhieb. Der Skipper brauchte nun erstmal ein Bier. Dieser Hafen ist auch sehr zu empfehlen, glasklares Wasser, genug Hafenplätze, klein und überschaubar und nette Tavernen. Da unsere Logge seit einigen Tagen nicht funktionierte, beschloss der Skipper mal runter zu tauchen. Zuerst ging es nicht, da die Überwindung unter das Schiffzu tauchen und nicht mehr hoch zu kommen doch sehr groß ist. Dann wurde eine Leine unter dem Boot festgemacht, an dem man sich festhalten konnte und so auch nicht die Orientierung verlieren konnte. Mit Handschuhen bewaffnet tauchte ich runter und fühlte an der Logge. Es fühlte sich an wie eine Muschel, die genau in Öffnung saß. Sie ließ sich aber nicht bewegen. Die Crew fragte, ob ich irgendetwas an Werkzeug brauchte, ich: „Einen Nussknacker vielleicht?“ Nun kamen Edel und Anette mir noch zu Hilfe. Wir sind bestimmt 10 bis 15mal runter und wieder hoch und versuchten die Muschel zu entfernen. Unser deutscher Nachbar rief irgendwann: „Könnt ihr Euch nicht auf eine andere Vorspeise einigen?“ Im Nachhinein stellte sich heraus, es war gar keine Muschel, sondern die Logge selber. Es hing ursprünglich nur etwas Grünzeug im Rädchen und das war direkt am Anfang schon raus gegangen. Naja, wieder ein Wissen mehr. Irgendwann kam noch ein Schiff das uns sehr bekannt vorkam. Es war das Deutsche aus Vathi und war im Begriff sich neben uns zu legen. Wir fragten den Skipper ob sie sich das gut überlegt hätten. Die Antwort: „Ja, haben wir, aber bitte kein Griechischer Wein mehr. “Die Mädels hatten nachmittags eine tolle Stelle gefunden um den Sonnenuntergang zu sehen, das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir also hin, es war wunderschön. Es fehlten jetzt nur noch die Delphine, die heraussprangen. Danach sind wir dann in eine der vielen Tavernen gegangen, erste Reihe. Der Wein war schlecht, das Essen ging so. Wir wieder aufs Schiff und ab in die Kojen.

Donnerstag, 23. Juni 2011 Unter den Zypressen!

Morgens nur kein Stress! Eigentlich wollten wir heute rüber ans Festland um uns eine größere Strecke zu ersparen. Übergabehafen sollte Lavrion sein. Ich rief also in einem Hafen auf halber Strecke an um nach einem Liegeplatz in Vougliameni zu fragen. Nachdem wir unseren Bootsnamen durchgegeben haben, hieß es, sie hätten keinen Gastliegeplatz frei. Ob sich unsere Damencrew schon herumgesprochen hatte? Es machte also keinen Sinn rüber zu fahren, denn die Strecke von Phaliron nach Lavrion war die Gleiche wie die von Perdika. Der Wetterbericht für Freitag sagte 3-4 Windstärken voraus und so beschlossen wir also mit dem Schiff noch mal irgendwo zu ankern und dann wieder in Perdika zu übernachten, weil es so schön war. Mittlerweile war es aber schon 11:30 Uhr und das hätte eventuell Stress nachmittags mit Liegeplätzen gegeben. Wir organisierten uns ein Wassertaxi zu einer kleinen Nachbarinsel die unter Naturschutz steht und wollten uns einen schönen Badetag machen. Die Bucht war traumhaft, es gab eine kleine Taverne, Liegestühle unter Pinien und türkisfarbenes Wasser. Was für ein traumhafter Tag.

Als wir abends wiederkamen, war der Hafen brechend voll und ein Schiff hatte sich sogar zwischen den Deutschen und uns gequetscht. Wir waren froh, dass wir unseren Liegeplatz nicht aufgegeben haben. Unser Ex-Nachbar sagte uns, wir hätten das beste Hafenkino verpasst. Schade. Heute gingen wir in die erste Taverne an der Treppe, die sollte sehr gut sein. Die Inhaberin ist eine Deutsche die seit 23 Jahren auf der Insel wohnt. Das Essen war sehr gut, der Wein hätte besser sein können. Sie fragte uns, ob wir ganz alleine ohne Männer unterwegs wären. Ja, ganz alleine! Das fände sie ja toll, das hätte sie ja seit Jahren nicht mehr erlebt. Beim Essen sangen wir leise „Zwei kleine Italiener“, da kam vom Nachbartisch der Kommentar, ob wir uns in der Geographie vertan hätten. Wir: Mist, gestern noch in Italien und heute in Griechenland, wer war denn für die Navigation verantwortlich?

Nach dem Essen wir zurück aufs Schiff. Wir mussten ja langsam auch mal unsere Vorräte an Wein leer machen. Als wir gut gelaunt im Cockpit saßen  wurden wir auf einmal wüst auf französisch von einem Nachbarschiff beschimpft. Die Frau war am Zetern, den Männern war es einfach nur peinlich. Wir taten es unter bloßem Neid ab und kümmerten uns nicht weiter drum.

Freitag, 24. Juni 2011 We are Sailing!

Da wir 35 Seemeilen vor uns hatten, legten wir um 09 Uhr ab. Für uns völlig untypisch. Durch die vielen Schiffe lagen auch entsprechend viele Ankerketten im Hafenbecken. Ich hatte mir etwas Sorge gemacht, wie wir nun aus dem Hafen kommen könnten. Mit Hilfe der Crew und dem langjährigen Wissen von Christine schafften wir ein super Ablegemanöver. Vorbildlich! Kaum eine halbe Stunde gefahren, hatten wir einen idealen Segelwind. 20 Knoten. Also alle Segel hoch, perfekt getrimmt. Alle hatten Spaß und wir stimmten wieder einige unserer Lieder an. Der Windmesser kletterte erst auf 24 Knoten, dann auf 28 Knoten. Christine stand am Steuer und juchzte: „Juhu, wir machen 9 Knoten!“

Wir haben uns ausgerechnet, was wir mit der restlichen Zeit am Nachmittag in Lavrion anfangen wollten, als der Windmesser auf 30 Knoten stieg. Ich ordnete nun für alle Schwimmwesten an. Dann machten wir das erste Reff rein und rollten die Genua etwas ein. Der Windmesser stieg weiter. Also nächstes Reff und 5 Minuten später das 3. und letzte Reff rein. Der Windmesser zeigte nun 38 Knoten und der Wellengang lag bei ca. 1-2 Meter (Wir hatten gerade keinen Zollstock zur Hand!). Wir wurden ganz schön durchgeschaukelt, der Wind hatte von Halbwind auf Am Wind gedreht. Es wollte niemand mehr runter gehen zum Navigieren. Was tun? Wir kamen auch nicht in die Nähe vom Festland, es sah auch gar nicht so aus, als ob es dort besser wäre. Bei 40 Knoten Wind beschlossen wir dann, das Großsegel ganz zu bergen und unter Fock auf Raumschot-Kurs zu gehen, dann wurde das Schiff wenigstens ruhiger. Weit und breit kein Boot mehr zu sehen, einige Schiffe hatten schon vorher abgedreht. Wir also zurück Richtung Aegina, die Überlegung war nun, mit Fähre dann rüber zum Festland und weiter zum Flughafen. Na, die Nachfolge-Crew hätte sich gefreut. Nach einer Stunde nahm der Wind dann endlich etwas ab. Wir beschlossen noch einen Versuch zu starten doch ans Festland zu kommen und peilten Phaliron an. Der Hafenplatz wurde uns zugesichert und alles andere machte keinen Sinn. Um 17:30 Uhr kamen wir völlig geschafft im Hafen an und versuchten Taucher, Putzfrau und Tankwagen zu organisieren. Nichts klappte in der Kürze der Zeit. Wir informierten die Nachfolge-Crew und entschuldigten uns. Wir waren völlig erledigt. Wir beschlossen selbst das Boot zu putzen, etwas anderes blieb uns auch gar nicht übrig. Abends fuhren wir dann in den Nachbarort  und suchten nach einem Lokal. Leider hatte der Taxifahrer uns in der Ecke der Cafes und Bars abgesetzt und wir fanden mit Mühe und Not eine Art Nordsee. Der Tag hatte voll genial angefangen, bei 9,5 kn Geschwindigkeit unter vollen Segeln und Halbwindkurs, aber der Abend war ja voll daneben. An diesem Tag lagen wir alle sehr früh im Bett, eigentlich schade für den letzten Abend.

Samstag, 25. Juni 2011 Wir wollen niemals auseinander gehen!

Früh aufstehen, frühstücken und ab zum Flughafen. Das Taxi war wesentlich preiswerter als auf dem Hinweg. Am Flughafen noch schnell ein kaltes Frappé und dann ab nach Hause. Unser Fazit: Diese Woche war wunderschön, wir haben viel gelacht und gesungen. Es gab keinen Moment wo wir uns mal leid waren. Totale Harmonie! Mädels wir sehen uns!

Danke Hans

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