24 Uurs Zeilrace vom 22.–23. August 2014

Mit 300 Schiffen auf der letzten Rakke
Mit 300 Schiffen auf der letzten Rakke

Schlaflos nach Medemblick...

 

... war der Lockruf, dem 8 Segelfeunde des YCBL gefolgt waren, um an der diesjährigen 50. Auflage der größten Regatta Hollands, dem 24 Uurs Zeilrace teilzunehmen.

Da uns Gregor Koslowski großzügig seine Elan Express „UXOR“ zur Verfügung gestellt hatte, konnten nach einigen Vorbereitungstreffen David Buitenhuis, Tobias Küter und Hartmut Frenzel mit Günter Schrewe als Skipper nach Lemmer aufbrechen, um UXOR regattaklar zu machen.

Frank Wartenberg, Albert Breuer und ich schleppten unsere kleine First 235 „Mahjong“ nach Stavoren, wo wir nicht nur ein- sondern dank des freundliche Hafenmeiste Sonntag nachmittags „auf Zuruf“ auch wieder auskranen konnten. Mit Dirk Dinjus war auch unser Team komplett.


Das 24 Uurs Zeilrace ist eine ganz besondere Regatta. Es fährt nicht Schiff gegen Schiff über einen vorgegebenen Kurs, um als erster das Ziel zu erreichen, sondern das gesamte Ijssel-und Markermeer und die Waddensee sind ein einziges großes Spielfeld mit über 40 Tonnen als Wendemarken. Die Linien zwischen zwei Tonnen, die „Rakken“, dürfen aber höchstens zweimal durchfahren werden. Nur die erste Rakke von jedem der 16 Starthäfen rund ums Ijsselmeer und die letzte Rakke vor dem Ziel vor Medemblick sind vorgegeben.


Dadurch wird die Regatta zu einem navigatorischen Schachspiel, aus den über 80 möglichen Kursen diejenigen zu wählen, auf denen das Schiff mit der höchsten Geschwindigkeit die meisten Meilen sammeln kann. „Kaffeekurse“ vor dem Wind verbieten sich also ebenso wir Kreuzschläge, da nur die Länge der Rakken angerechnet wird. Die zusammengesegelten Meilen werden dann noch über die Rumpfgeschwindigkeit jedes Schiffes korrigiert, so dass über 600 Rennziegen und Traditionssegler gemeinsam um die Wette segeln können.

0-Start!!!
0-Start!!!

All dieses hatten wir im Computer vorbereitet und um so größer war der Schock, als wir mit bester Laune aus dem Restaurant zur startklaren Mahjong zurückkamen. Stegnachbarn sagten uns, dass das Schiedsgericht sich die Teilnehmerschiffe angesehen hatte. Da sie unser Dreifarbenlicht, das während der ganzen 24 Stunden brennen muss, nicht erkennen konnten, wurden wir disqualifiziert, bevor wir überhaupt abgelegt hatten. Also vor dem Start noch in voller Sicherheitsausrüstung und brennendem 3-Farbelicht am Schiedsgericht vorbei gesegelt. Der Startrichter kontrollierte uns mit einem mächtigen Fernglas, dann ging sein „Daumen hoch“. Pünktlich um 19:45 Uhr kam der Startschuss und mit einem gelungenen 0-Start gingen wir weit vor dem Feld auf die erste zwei Seemeilen lange Rakke.

 

Kurz vor der Tonne wurden wir von einer „riesigen“ X44 eingeholt, die – obwohl sie mit viel mehr Höhe in Luv hätte vorbei ziehen können – superfair in Lee überholte, um unserem Kleinkreuzer nicht den Wind weg zu nehmen. Dieser faire und höfliche Umgang ist das besondere Wesen dieser Regatta, da man nicht um den einzelnen Platz fightet, sondern alle nur ihre Logge hochtreiben wollen.

Sonnenaufgang nach einer tollen Segelnacht
Sonnenaufgang nach einer tollen Segelnacht

Dadurch wurde auch das Segeln in der nun rasch einbrechenden Nacht zu einem wenig stressigen und spannenden Erlebnis. Sternenklar und bei bester Sicht konnten wir das Segeln bei guten 4 Windstärken richtig genießen und sogar reihum etwas schlafen. Da etwas abnehmender Wind vorausgesagt war, hatten wir unsere ersten Kurse im Bereich des Abschlussdeichs geplant, solange dort noch reichlich Wind war. UXOR hatte zunächst Rakken im südlichen Teil des Ijsselmeers gesegelt, insgesamt die bessere Wahl, wie sich später herausstellen sollte.


Wir bogen im ersten Tageslicht planmäßig auf unseren ersten langen Raumschotsgang Richtung Südost. Der Gennacker ging hoch und die Fock rollte weg. Leider brach dabei das Vorstag und wir konnten von Glück sagen, dass der Gennacker mit raschem Abfallen unseren Mast oben hielt. Nun erst mal 2 Stunden mit Fullspeed geradeaus, während der wir über den Schaden nachdenken konnten. Da das Dyneema-Fockfall noch alles zusammen hielt, luvten wir an der Leemarke mit verkleinerter Fock vorsichtig wieder auf halben Wind an, viel mehr Höhe war aber nicht drin.

 

Während dessen schob sich im Westen eine immer bedrohlichere Wolkenwand zusammen. Buchstäblich in letzter Minute banden wir gleich zwei Reffs ins Groß und reduzierten die Fock noch weiter, als das Wetter mit heftiger Drehung, Regenschauern und über 7 Windstärken über uns herfiel.

Das nächste Gewitter im Anmarsch
Das nächste Gewitter im Anmarsch

Ebenso schnell aber folgte der Front totale Flaute und Sonnenschein. Von 7 auf 0,0 Bft in 15 Minuten, gefolgt von einer nervenaufreibenden Stunde der Suche nach jedem Windstrich. Dann hatte sich wieder eine neue Gewitterwalze heran geschoben und das Spiel begann von neuem. Insgesamt fünf mal hat Rasmus uns und unser malades Rigg so getestet. Günter hatte auf der UXOR eine bessere Nase für das Wetter und konnte immerhin zwei der Gewitter umfahren.


Um das Ziel-Zeitfenster nicht zu überschreiten, bogen wir relatv früh auf die letzte Rakke nach Medemblick ab. Ebenso dachten auch hunderte andere Skipper. Ein fantastisches Bild. Überall Segel – in der totalen Flaute. Trotz der reichliche Zeitreserve passierten wir das Ziel nur wenig vor der Endzeit. UXOR hatte mal wieder mehr Glück. Mit vollem Risiko deutlich später auf der letzten Rakke, erwischten Sie eine persönliche Böe und gingen noch in der Toleranz und ohne anzurechnende Strafmeilen über die Linie. Von 91,6 gesegelten Meilen bekamen wir von der „Mahjong“ 63,2 sm angerechnet und erreichten den 99. Platz von 370 Startern in der Gruppe „Tocht“. UXOR schaffte 101 sm, die zu 67,6 sm verrechnet wurden und erreichte damit den 55. Platz. Danke, Gregor, für dein schnelles Schiff!

Das Team des YCBL zur Siegerehrung vor Schloss Radbaud
Das Team des YCBL zur Siegerehrung vor Schloss Radbaud

Mit diesen Ergebnissen konnten wir den Abend in Medemblick ganz besonders genießen. Die ganze Stadt war eine einziges Segelervolksfest und beim Einlaufen wurde jedes Schiff einzeln vom Kommentator begrüßt.

Während wir nach dem Feiern ein paar Stunden schlafen konnten, legten die Organisatoren eine Nachtschicht ein um am Sonntag Morgen ein reichliches Frühstück und eine feierliche Siegerehrung zu zelebrieren.




Auf der Rückfahrt waren sich die Teilnehmer sicher: Im nächsten Jahr segel wieder mehrere Schiffe des YCBL „schlaflos nach Medemblick“. Noch 303 Tage...


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Stefan Sprickmann