Köln-Cup 2015

Köln-Cup am IJsselmeer

Von Arbeit und Schule aus machten wir uns am 4. September auf zum Köln-Cup, zum IJsselmeer und zur LeYa. Wir – Albert, Meike, David, Meike, Amina und Charlotte – standen aber zuerst eine Stunde im Stau und durften uns den strömenden Regen, der uns prompt hinter der Grenze begrüßte, aus dem Auto angucken.

Endlich in Stavoren auf der LeYa angekommen, war die Entscheidung schnell gefällt, nicht mehr am Freitag Abend auf die andere Seite nach Enkhuizen zu fahren. Stattdessen planten wir, am nächsten Tag unter Auslassen der Steuermannsbesprechung direkt zum Startschiff zu fahren. Die Regattaleitung hatte diese Option ausdrücklich angeboten und so waren wir überzeugt, nichts Wesentliches zu verpassen – ein folgenschwerer Trugschluss.


Wir kehrten also lieber im „Kruitmolen“ ein und überlegten, ob dieser Name etwas mit Kräutern zu tun hat und ob es wohl Kräutermühlen gibt oder gab. Hat er übrigens nicht – sondern er hat was mit (Schieß-)Pulver zu tun – und Pulvermühlen gibt es tatsächlich.


Früh am nächsten Morgen packten wir uns, der eine mehr, der andere weniger dick ein und fuhren los. Der Windmesser zeigte bis 30 Knoten an, was manchen von uns ein flaues Gefühl im Magen bereitete. Die 30 Knoten bemerkten wir schnell, sobald wir aus dem Hafen kamen und von einer einen Meter hohen Welle umgeben waren. Da kam der Satz „Auf dem IJsselmeer kann einem nicht schlecht werden“ nicht mehr ganz so leicht über die Lippen. Nach kleineren Scharmützeln mit dem Rollgroß und Verlust eines Großschotschäkels hatten wir auch das Rigg der LeYa kennen und fürchten gelernt.


Da wir uns per Funk beim Startschiff melden sollten, ging jemand unter Deck und kam mit der ernüchternden Nachricht wieder, niemanden erreicht zu haben. Auch als unser Skipper und Funker Ali es erneut versuchte, bekamen wir keine Antwort. Also segelten wir mehr oder weniger ins Ungewisse. Dort wo wir das Regattafeld vermuteten, konnten wir einen Zweimaster mit Flaggen und unter Motor als Startschiff identifizieren. Als wir sahen, dass es in den Hafen abdrehte und uns stattdessen DLRG-Boote entgegenkamen, folgten wir dem vermutlichen Startschiff in den Hafen von Enkhuizen.


Der Hafen von Enkhuizen liegt, wenigsten für Nordwest-Wetterlagen sehr geschütz. Hier war von Wind und Wetter kaum mehr etwas zu spüren, während es draußen tobte. So erklärte man uns bei angenehmem Sonnenschein, es wäre zu viel Wind für die Knochen und Material und es gäbe eine Startverschiebung bis zum nächsten Morgen. Ob wir denn das Captain’s Dinner gebucht hätten? Nein, hatten wir nicht, aber gut, buchten wir es noch dazu. Der Nachmittag verstrich erstaunlich schnell mit Reparaturen an Deck und Spaziergängen im Ort. Als das Dinner nahte, zogen wir die Gummistiefel aus und die Sneakers an und begaben uns in die Gesellschaft unserer Kölner Nachbarn. Hier versorgte man uns sehr gut mit Essen, Trinken und seglerischer Atmosphäre.


Sonntag Morgen zeigte der Windmesser wieder 30 Knoten an und wir waren im Zweifel, ob denn heute überhaupt gestartet würde. Nach einem Gang nach draußen sahen wir allerdings, wie die gestiefelte Regattaleitung auf das Startboot sprang und sich zum Ablegen fertig machte. Die Steuermannsbesprechung hatten wir offenbar schon wieder verpasst. Also legten wir einen Zahn zu und folgten dem Startschiff erneut. Kaum aus dem Hafen ausgelaufen und die ersten paar Meter gesegelt, mussten wir aus nächster Nähe zusehen, wie einer unserer Mitstreitercrews beim Segelsetzen und heftig Wind und Wellen der Mast brach. Während dem Skipper die Lust auf das Rennen schlagartig verging, kannte die Regattaleitung aber kein Pardon und so wurde vom Startschiff gefunkt, dass die Regatta beginnen würde, sobald das Boot geborgen wäre.


Als wir die Startlinie abfuhren, waren wir noch überzeugt, dass unsere drei Boote der Yardstick-Wertung, wie in der Segelanweisung geschrieben, nach den anderen starten würden. Dann sahen wir aber, dass alle Boote schon beim ersten Startschuss los fuhren. So reihten wir uns schnell ein und bildeten das ehrenvolle Schlusslicht. Nun hieß es Wenden, hohe Kante, Wenden usw. Wir bemerkten schnell, dass nicht der Kurs gefahren wurde, der in der Ausschreibung stand und beeilten uns, das Gleiche zu tun, was die Boote vor uns taten. Damit lag zwar unsere Position einigermaßen fest, aber wir sagten uns, es wäre wohl nicht so schlimm letzter zu sein, immerhin wäre die DLRG die ganze Zeit hinter uns. Nach einigen Runden, die maximal wenige von uns durchblickten, kam der zieltypische Vorwindkurs in Sicht. Angesichts der Wetterlage und unserer ohnehin aussichtslosen Position verzichteten wir zugunsten der Sicherheit auf das Ausreffen, konnten damit allerdings den allgemein als „Aufholerkurs“ bekannten Endspurt nicht so richtig zu unserem Vorteil nutzen. Das Startschiff wartete geduldig auf unsere Ankunft und auch wir bekamen einen letzten Ton mit der Hupe bevor wir nach Stavoren abdrehten.


Auch wenn wir den Pokal nicht geholt haben (obwohl, von drei Booten der Yardstick-Wertung waren wir immerhin drittes!), so war es doch ein erlebnisreiches und stimmungsvolles Wochenende auf einem sehr komfortablen Boot. Ich freue mich auf unsere nächsten Törns und Regatten in einer so ausgewogen zusammengewürfelten Gruppe. Wir wollen auch nie wieder die Steuermannsbesprechung schwänzen, Ehrenwort!


Albert