SKS Törn und NYS

Am ersten Oktober, früh morgens um 5 Uhr, machen wir, David, Amina und Charlotte, uns auf den Weg nach Laboe. Dort wartet unsere runde Dame LeYa auf uns, um mit uns hoffentlich unser letztes Ziel auf der Fahrt zum SKS anzusteuern: die praktische Prüfung. Auch Dirk Bunje ist schon da, sodass wir relativ zügig unsere Kojen beziehen können. Für vier Leute ist natürlich viel Platz auf dem gut ausgestatteten Camper, wie die Fahrtenyacht von uns neckend genannt wird. Nach unserem Bio-Wocheneinkauf wird uns der ganze Raum auch erklärt. Wir bekommen eine ausführliche Sicherheitseinweisung mit der Androhung, dass ab jetzt jeden Morgen jemand anders die Einweisung übernehmen muss, um alles zu üben. Wie sich später herausstellt, bleibt es allerdings bei der Androhung.

Am nächsten Morgen setzen wir über nach Maasholm und üben vor dem Hafen die ersten Boje-über-Bord-Manöver. Als der Wind irgendwann so sehr abflaut, dass uns nicht einmal der Gennaker vorantreibt, motoren wir das letzte Stück. Selbstverständlich brauchen wir dann zur Kräftigung erst einmal Fisch von „Petersen himself“, der uns vermutlich als So-Gut-Wie-Ausländer erkennt und uns mit Anstarren zu verunsichern versucht. Einen Tag später, am Montag, sieht alles ganz anders aus: der Wind kachelt und wir haben keine andere Wahl, als den Rückweg nach Laboe anzutreten, weil Dirk am Abend wieder zu Hause sein möchte. Also legen wir ab und üben die ersten Manöver unter Segel. Wenden, Halsen, Beiliegen und ähnlicher Spaß sind allen geläufig, aber spannend wird es beim Boje über Bord unter Segel. Wenn die Wellen so hoch sind, dass man die Boje im Wellental fast nicht zu packen bekommt und der Windmesser eine Zahl anzeigt, die man nicht unbedingt veröffentlichen sollte, kommt man gut in die Rolle des Havaristen. Aber auch diese Etappe bekommen wir gemeistert, verabschieden Dirk mit einem selbst gekochten Mahl und freuen uns auf einen Tag sturmfrei, im wahrsten Sinne des Wortes. Unser Folge-Skipper, Thomas Schwarz, reist nämlich erst Dienstagabend an. Aber der Tag muss trotzdem genutzt werden. Wir haben uns nämlich vorgenommen, gleichzeitig die Funkscheine zu machen, um direkt alles in der Tasche zu haben. Also wird mehr oder weniger fleißig gelernt, spaziert, Backfisch gegessen und vor allem viel gelacht.
Thomas wird ebenfalls von einer stürmischen Ostsee begrüßt, sodass wir den ersten Tag auch nicht besonders lange auf dem Wasser verbringen können. Aber immerhin können wir ausgiebig anlegen üben. Donnerstag: das gleiche Spiel. So langsam macht sich Unruhe breit, vor allem bei Amina und mir. Der Respekt vor der Prüfung am nächsten Tag ist größer als die Gewissheit zu bestehen. Insbesondere, weil wir am Tag zuvor die Rettungsboje überfahren haben und Amina aus Angst vor Motorschäden deshalb ein bühnenreifes Anlegemanöver unter Segeln hinlegen musste.
Die Boje, mit Tape geflickt, im Schlepptau erreichen wir Freitag morgen den Prüfungsort und empfangen als Prüfer eine nette Seglerin und einen älteren Begleiter, der eigentlich nur Theorie abnimmt und uns daher ordentlich ausfragt. Wer von euch weiß denn, wie viel Grad des Horizontes in die Wetterbeobachtung einzubeziehen sind? Oder wo das Wasserthermometer des Schiffes liegt? Oder wie sich die MOB-Taste unter Bord von der über Bord unterscheidet? Keiner? Tja, durchgefallen. Gott sei Dank können wir mit Feuerlöschern und Kreuzpeilung punkten und haben deshalb bei 6 Bft. alle bestanden. Auch die Funkprüfung am Samstag in Stralsund klappt reibungslos, sodass wir als frisch gebackene Jugendskipper am Sonntag die LeYa nach Heiligenhafen überführen können, wo bereits eine große Jugendmeute wartet. En somme also ein erfolgreicher erster SKS-Jugendtörn.
Mit 14 Mann klettern wir dann in Heiligenhafen auf unsere beiden Schiffe, die wir für die Regatta „Nautic Young Stars“ gechartert hatten. Günther Schrewe als Skipper mit Amina als Co-Skipper auf der King of Lions und Crew: Kathi, Justin, Felix, Jakob, Marco, Lukas. Auf der LeYa David Buitenhuis als Skipper, Charlotte als Co-Skipper und Crew: Tina, Caro, Lisa, Jonas. Das vierte Jahr sind wir jetzt dabei.
Der Einkauf am nächsten Morgen fällt dementsprechend umfangreich aus, ebenso wie die Zeit, die wir auf die Bootsübergabe der King of Lions warten müssen. Deshalb können wir Montag nur kurz aufs Wasser und versuchen unserer Crew beizubringen, was Dirk und Thomas uns gelehrt haben. Sehr beruhigend ist, dass nicht nur David und ich, sondern auch ausnahmslos unsere ganze Crew das Boje-über-Bord-Manöver erfolgreich fährt. Ganz besonders wichtig ist das von David, Amina und mir zum Törnsong gekürte Karnevalslied „Pirate“ von Kasalla. Das wird beim Ein- und Auslaufen nicht nur gehört, sondern vielmehr mitgegrölt, damit keinem unserer Piraten kalt wird. Beliebt sind dabei auch Trockenübungen aller Art – insbesondere schunkeln. Darauf folgt eine Sicherheitseinweisung à Dirk Bunje, um unsere Crew auf alle Eventualitäten gefasst zu machen.
Dienstag: Kegeltag. Der Wind nimmt zu, die Ostsee segnet uns inzwischen mit 7 Windstärken. Das gleiche Spiel hatten wir schon vor vier Jahren und da wir damals einen witzigen Nachmittag kegelnd verbracht haben, halten wir das auch an diesem Tag für eine gute Idee. Gespielt wird Boot gegen Boot, die King of Lions gewinnt. Aber nur gaaanz knapp...
Mittwoch wagen wir uns noch mal aufs Wasser mit dem Ziel, Fehmarn zu umsegeln. Auf dem Weg nach Norden kann man das Ruder noch halten und die LeYa ist zwar luvgierig, aber sobald die Landabdeckung Fehmarns verschwindet, bekommen wir es mit der vollen gewaltigen Kraft der baltischen See zu spüren. In Lee verschwindet die Reling im Wasser, in der ein oder anderen Welle taucht der Bug in die Wellen ein. Frisch dazu befähigt, versuchen wir unser Partnerschiff anzufunken, um herauszufinden, ob wir trotzdem weiter segeln. Keiner reagiert, auch nicht auf einen Handyanruf. Irgendwann kommt uns Günther entgegen und macht deutlich, dass wir wieder nach Heiligenhafen zurückfahren sollen. Mit dem Wind von hinten ist das dann nicht mehr ganz so spektakulär, sodass wir kurz vor dem Hafen noch Wenden, Halsen und Vollkreise für die Regatta üben können.
Leider bleibt der Wind Donnerstag und Freitag so kräftig pustend wie bisher. Wir gehören nicht zu den Mutigen, die sich trotzdem raus wagen um zu trainieren. Stattdessen basteln wir uns eine echte Piratenflagge aus einem alten Handtuch, schwarzem Panzertape, Edding und einem roten Tuch Spinnaker. Denn wie der Kölsche weiß: „Und dä Dudekopp op unsrer Fahn hät en rude Pappnaas aan!“ Freitagabend können wir dann die neue Partylocation austesten und warten gespannt auf DJ Holz. Der nicht erscheint, oder wenn, dann zu spät.
Nicht so schlimm, denn am nächsten Morgen müssen wir fit sein für die Regatta. Nachdem wir nun auch die Bootsaufteilung geklärt haben und die erste Startverschiebung abgewartet haben, fahren wir raus. Wo uns was erwartet? Die nächste Startverschiebung! Also werden Linien gefahren, Hände aufgewärmt, Matjes und Kekse gegessen. Als es endlich so weit ist, legen wir einen wirklich guten Raumschots-Start hin und sind in unserer Gruppe unter den ersten fünf Schiffen. Leider nicht lange. Aber trotzdem steuert Jonas uns einen souveränen 26. Platz von 35. Und das, obwohl er zum ersten Mal ein so großes Schiff durch eine Regatta fährt. Günther ersegelt seiner Crew Platz 19. So warten wir auch am Samstagabend sehnsüchtig auf einen DJ, zu dessen Musik man tanzen kann.
Im Vergleich zu den letzten Jahren war die Regatta zwar etwas kurz, aber mit dem guten Wind im Reff sehr spaßig. Die Abende des Regattawochenendes lassen zu wünschen übrig, aber dafür hatten wir unter der Woche schon viele gemeinschaftliche Abende. In diesem Sinne freuen wir uns schon auf das nächste Jahr und hoffen auf genauso viele (oder noch mehr) Anmeldungen.